Was ist Transitionsmedizin?

Transitionsmedizin ist ein junger Fachbereich der Medizin, der sich mit den Besonderheiten der medizinischen Versorgung beim Übergang von der Jugend in das Erwachsenenalter beschäftigt. Diese Patientengruppe wächst seit vielen Jahren kontinuierlich. Das liegt vor allem daran, dass die Medizin in der Diagnose und Therapie von chronischen Erkrankungen immer weiter Fortschritte macht. Lag die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kindes mit Mukoviszidose (anderer Name: Cystische Fibrose/CF) beispielsweise zu Beginn der 80er Jahre noch unter 18 Jahren, so werden Menschen mit Mukoviszidose heute im Durchschnitt 40 Jahre alt.

Transitionsmedizin - Übergang vom Kinderarzt in die Erwachsenenmedizin erolgreich bewältigen

Lebenserwartung entwickelt sich immer besser

Noch größer sind die Sprünge in der Lebenserwartung etwa bei angeborenen Herzfehlern. Manch angeborener Herzfehler wie atrioventrikulärer Septumdefekt oder Fallot-Tetralogie war noch vor 40 Jahren operativ äußerst schwierig zu therapieren und hatte oft eine schlechte Prognose – heute haben viele dieser Kinder eine weitgehend normale Lebenserwartung. Ob aber Herzfehler, Mukoviszidose oder eine beliebige andere schwere Erkrankung wie Diabetes: Auf eine kontinuierliche und qualitativ hochwertige medizinische Begleitung bleiben die meisten chronisch Kranken lebenslang angewiesen. Einer der größten Stolpersteine in diesem Prozess ist der Übergang von der Jugend in das Erwachsenenalter.

Der Übergang in die Erwachsenenmedizin klappt häufig nicht

Nach Einschätzungen von Experten klappt die Transition, also der Übergang vom Kinderarzt zur Erwachsenenmedizin, bei bis zu 40 Prozent der chronisch kranken jungen Menschen nicht. Die Ursachen dafür sind vielfältig und individuell verschieden. Einige Gemeinsamkeiten aber gibt es.

Jugendliche wollen keine Kinder sein

In Kinderarztpraxen fühlen sich viele Jugendliche und junge Erwachsene im Alter zwischen 14 und 18 Jahren nicht mehr wohl. Sie wollen keine Kinder mehr sein, sind aber in der Welt der Erwachsenen noch nicht angekommen.

Störfall Pubertät

Diese Anpassungsprobleme werden häufig durch die persönlichen Turbulenzen während der Pubertät verstärkt. Die Bedürfnisse der jungen Patienten verändern sich mit den Jahren. Kinderärzte aber sind nicht immer die Ansprechpartner der Wahl, wenn es beispielsweise um Sexualität geht. Darüber hinaus entwickelt sich auch das Bewusstsein, für die eigene Gesundheit verantwortlich zu sein, erst mit der Zeit.

Mangelhafte Dokumentation von Verläufen

Die mangelhafte Dokumentation von Krankheitsverläufen kann zu einem Hindernis für das Gelingen der Transition werden. Wenn etwa Arztbriefe, Operationsberichte oder Medikationsverläufe nicht vollständig vorhanden sind, kann es leicht zu Missverständnissen kommen oder die bestmögliche Therapie wird aufgrund von Informationslücken erschwert. Eine vollständige Dokumentation erleichtert die erfolgreiche Transition ganz wesentlich.

Probleme bei der Arztsuche

Auch praktische Probleme erschweren mitunter die Transition. So fällt es jungen Erwachsenen oft nicht leicht, einen Arzt zu finden, der auf die speziellen Bedürfnisse junger chronisch Kranker eingehen kann. Der Wechsel von der behüteten Kinderarzt-Atmosphäre in eine Facharztpraxis – eventuell noch in einer anderen Stadt – erfolgt nicht immer sofort und reibungslos.

Schwerwiegende Folgen für Patienten

Eine misslungene Transition hat häufig schwerwiegende Folgen: Kommen die Patienten – nach dem letzten Besuch beim Kinderarzt – erst nach Jahren wieder in eine Praxis oder das Krankenhaus, sind gesundheitliche Probleme in der Regel weit fortgeschritten. Das bedeutet für die Patienten in der Regel nicht nur einen Verlust an Lebensqualität. Die Unterbrechung der ärztlichen Kontrolle und Behandlung, die gescheiterte Transition also, erschwert die Behandlung der Erkrankungen und belastet das Gesundheitssystem außerdem durch hohe Kosten.

Gelungene Transitionsmedizin schafft viele Vorteile

Alle diese Nachteile könnten durch eine gelungene Transitionsmedizin vermieden oder wenigstens doch erheblich vermindert werden. Durch eine auf die individuellen Bedürfnisse abgestimmte aktive Begleitung in der Übergangsphase, so die Experten, ließe sich der Gesundheitszustand der chronisch kranken jungen Erwachsenen verhältnismäßig leicht verbessern – bei vergleichsweise geringen Kosten für das Gesundheitssystem.

Projekte belegen die Wirksamkeit der Transitionsmedizin

Modellprojekte belegen den Erfolg der Transitionsmedizin. Das Berliner Transitionsprogramm (BTP) beispielsweise begleitete Jugendliche mit Diabetes und Epilepsie im Alter von etwa 16 Jahren für zwei Jahre. Unter anderem erhielten die Jugendlichen ein sogenanntes T-Heft, das den U-Heften für die Vorsorgeuntersuchungen bei Neugeborenen ähnelt. Über mobile Kommunikationswege hielten Fallmanager zudem regelmäßig Kontakt zu den Kindern. Das Ergebnis: Während des gesamten Zeitraumes verlor das Transitionsprogramm keinen der Teilnehmer. Alle sind also dank Transitionsmedizin in der Welt der Erwachsenenmedizin gut angekommen.

Der Erfolg des Berliner Projektes überzeugte so sehr, dass es mittlerweile ähnliche Projekte auch in anderen Regionen gibt. In Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen beispielsweise laufen Modell- und Forschungsprojekte zur Transitionsmedizin. Hier werden Transitionsprogramme bei Nierenerkrankungen, chronisch-entzündlichen Darmproblemen oder seltenen Muskelerkrankungen untersucht.

Wenig Finanzierung für die Transitionsmedizin

Viele der Modell- und Pilotvorhaben werden vom Bundesgesundheitsministerium und zahlreichen Stiftungen sowie Initiativen gefördert. Auch einige Krankenkassen beteiligen sich an den Projekten. Die Finanzierung bleibt gegenwärtig allerdings die Schwachstelle der Transitionsmedizin: Bislang ist die Begleitung der jungen Menschen beim Übergang in das Erwachsenenalter nämlich keine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung.

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