Mitralklappeninsuffizienz

Als Mitralklappeninsuffizienz bezeichnen Mediziner eine Undichtigkeit der Mitralklappe. Eine undichte Mitralklappe schließt nicht richtig und belastet das Herz, weil es übermäßig häufig und stark pumpen muss, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Eine Mitralklappeninsuffizienz kann als einzelner angeborener Herzfehler (häufig durch Spaltung des vorderen Mitralsegels), aber auch infolge anderer angeborener Herzfehler wie dem atrioventrikulärem Septumdefekt (AVSD) auftreten. Die Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz erfolgt mit Medikamenten und – je nach Schwere – mit verschiedenen Operationstechniken. Bei Kindern mit angeborenem Herzfehler ist in den meisten Fällen eine Operation sinnvoll.

Grafik: Mitralklappeninsuffizienz

Grafik: Blutfluss Mitralklappeninsuffizienz

Grafik: Der Blutfluss im gesunden Herzen ist bei Mitralklappeninsuffizienz gestört

Kompakt-Information

  • Bezeichnungen: Mitralklappeninsuffizienz, Mitralinsuffizienz (Abkürzung MI), Mitralklappenundichtigkeit
  • Beschreibung: erworbener oder angeborener Herzfehler, bei dem die Mitralklappe zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer nicht richtig schließt.
  • Häufigkeit: stark abweichende Angaben in verschiedenen Studien, bei Kindern etwa zwischen 2 und 9 Prozent (leichte Fälle eingeschlossen)
  • Ursache: isolierter angeborener Herzfehler; gemeinsam mit anderem Herzfehler wie atrioventrikulärer Septumdefekt; neu auftretend nach Korrektur eines angeborenen Herzfehlers; Folgeerkrankung nach Herzinfarkt, rheumatischem Fieber, Herzkranzgefäßerkrankungen (Koronare Herzkrankheit, abgekürzt KHK), Herzinnenhautentzündung oder Herzoperationen
  • Behandlung: in leichten Fällen medikamentös, bei schweren Fällen Mitralklappenkorrektur, Einsetzen einer Mitralklappe oder Mitralklappenclipping
  • Nachsorge: engmaschige ärztliche Überwachung, insbesondere nach Einsetzen einer künstlichen Mitralklappe bei Kindern im Wachstumsalter. Ein Klappenersatz muss wegen Wachstums wiederholt vorgenommen werden, zudem besteht bei Kunstklappen eine Gefahr von Blutungskomplikationen wegen dauerhaft einzunehmenden Blutgerinnungshemmern.

Beschreibung der Mitralklappeninsuffizienz

Die Mitralklappe ist die Herzklappe, die zwischen dem linken Herzvorhof (Atrium) und der linken Herzkammer (Ventrikel) liegt. Sie wirkt wie ein Rückschlagventil zwischen diesen beiden Herzräumen. Im gesunden Herzen strömt das von der Lunge kommende sauerstoffreiche Blut zunächst bei noch geschlossener Mitralklappe in den linken Herzvorhof. Dann öffnet sich die Mitralklappe und das Blut fließt in die linke Herzkammer. Dadurch erhöhen sich Volumen und Füllungsdruck in der Herzkammer. Mit Beginn der Kammeraktion schließt sich die Mitralklappe. So ist die linke Herzkammer vom linken Herzvorhof abgedichtet und das gesamte sauerstoffreiche Blut kann über die Hauptschlagader in den Körper gepumpt werden.

Undichte Mitralklappe belastet das Herz

Bei einer Schwäche oder Insuffizienz der Mitralklappe wird der Übergang zwischen linkem Vorhof und linker Herzkammer nicht ausreichend dicht verschlossen. Dadurch kann Blut aus der Herzkammer zurück in den Vorhof oder gar in die Lungengefäße gelangen. Dieser Rückfluss belastet einerseits die Lunge erheblich, da durch das zurückfließende Blut der Füllungsdruck im linken Herzvorhof und damit in den Lungenvenen erheblich ansteigt. Zudem gelangt pro Herzschlag weniger sauerstoffreiches Blut aus der linken Herzkammer über die Hauptschlagader in den Körper.

Um eine Minderdurchblutung der Organe zu vermeiden, muss das Herz sehr viel stärker und vor allem häufiger pumpen, um den Körper ausreichend mit Sauerstoff zu versorgen. Eine Zeit lang funktioniert das sogar recht gut. Auf Dauer kann das Herz die Mitralklappeninsuffizienz aber nicht ausgleichen. Aufgrund der Mehrarbeit und erhöhten Belastung vergrößert und erweitert sich die linke Herzkammer. Dadurch wird die Mitralklappe noch undichter und die Insuffizienz verschlechtert sich zunehmend.

Es gibt aber auch harmlose Formen der Mitralklappeninsuffizienz, die keine Beschwerden machen und keiner Behandlung bedürfen. Häufig werden diese nur als Zufallsbefund während einer Herzultraschalluntersuchung entdeckt.

Ursachen der Mitralklappeninsuffizienz

Mitralklappeninsuffizienzen haben unterschiedliche Ursachen. Bei einem angeborenen Herzfehler verursacht in der Regel eine Spaltung oder Fehlanlage des vorderen Mitralsegels oder auch ein Mitralklappenvorfall (sogenannter Mitralklappenprolaps) die Undichtigkeit. Sie kann aber auch in der Folge der Korrektur eines angeborenen Herzfehlers wie dem atrioventrikulären Septumdefekt (AVSD) auftreten. Nach einer AVSD-Operation beispielsweise sind Mitralklappeninsuffizienzen der häufigste Grund für eine Zweitoperation.

Weitere Ursachen der Mitralklappeninsuffizienz sind unter anderem Herzinfarkte, eine vergrößerte linke Herzkammer oder Durchblutungsstörungen der Herzkranzgefäße. Auch eine Herzinnenhautentzündung (Endokarditis) kann die Mitralklappe schädigen. Ebenso können angeborene Bindegewebserkrankungen und Stoffwechselstörungen eine Mitralklappeninsuffizienz bedingen.

Medikamentöse Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz

Zur Behandlung der Mitralklappeninsuffizienz gibt es eine Vielzahl von Ansätzen. Die medikamentöse Behandlung zielt vor allem darauf ab, das Herz zu entlasten sowie Bluthochdruck und Wasseransammlungen in der Lunge zu verhindern. Zusätzlich können – abhängig von der Pumpleistung des Herzens – herzstärkende Medikamente sinnvoll sein.

Thrombosen vorbeugen

Je nach Erweiterung des linken Herzvorhofes werden Blutgerinnungshemmer verordnet, um das Blut zu verdünnen. Damit wird verhindert, dass sich im vergrößerten linken Herzvorhof Blutgerinnsel (Thromben) bilden. Würde sich so ein Gerinnsel bilden und dann lösen, könnte ein Schlaganfall die Folge sein.

Medikamente aber haben ihre Grenzen, wenn die Undichtigkeit der Mitralklappe zu groß wird. Dann ist eine Operation häufig die bessere Wahl. Nach der Operation bleiben die meisten Patienten allerdings ebenfalls auf blutverdünnende oder herzstärkende Medikamente angewiesen.

Außerdem müssen Menschen mit Herzklappenerkrankungen einer Infektion der geschädigten Herzklappe vorbeugen. Das erfordert beispielsweise vor operativen Eingriffen oder zahnärztlichen Behandlungen die Einnahme von Antibiotika.

Operative Verfahren bei schwerer Mitralklappeninsuffizienz

In allen Fällen einer schweren Mitralklappeninsuffizienz stellt sich die Frage, ob die Mitralklappe operiert werden sollte oder nicht. Diese Frage kann selbstverständlich nicht pauschal, sondern nur nach einer eingehenden Untersuchung individuell beantwortet werden. Ist die Entscheidung für eine OP gefallen, stehen vor allem 3 Verfahren zur Wahl:

  • klappenerhaltende Rekonstruktion
  • Klappenersatz (biologisch oder Kunst-Klappe)
  • Mitralklappenclipping

Im Folgenden ein Überblick über die 3 genannten OP-Methoden.

Rekonstruktion der natürlichen Mitralklappe

Im günstigsten Fall ist eine Rekonstruktion der natürlichen Mitralklappe möglich. Dabei formt der Operateur aus dem Klappengewebe eine funktionsfähige Mitralklappe. Beispielsweise ist es möglich, überschüssiges Klappengewebe (zum Beispiel bei einem sogenannten Mitralklappenprolaps) zu entfernen und so die Dichtigkeit der Mitralklappe herzustellen. Ob die Rekonstruktion der Mitralklappe tatsächlich möglich ist, lässt sich mitunter aber erst während der Operation am offenen Herzen beurteilen. Zuweilen wird erst während der OP deutlich, dass ein Klappenersatz notwendig ist.

Einsetzen einer künstlichen Mitralklappe

Das Einsetzen einer Mitralklappe ist mittlerweile ein ganz alltäglicher Eingriff. Bei Kindern wächst allerdings die eingesetzte Herzklappe nicht mit. Deshalb werden bei Kindern mehrere Operationen notwendig. Außerdem erfordert eine künstliche Mitralklappe die lebenslange Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten im Gegensatz zu biologischen Herzklappen.

Das Gesundheitsmanagement nach einer Herzklappenoperation stellt Kinder und Eltern vor große Herausforderungen. Unter „Unterstützung für das Gesundheitsmanagement bei Mitralklappeninsuffizienz“ lesen Sie weiter unten, wie der HomeMonitor und der DatenSafe eine effektive Hilfe sein können.

Mitralklappenclipping

Sind die Voraussetzungen besonders günstig, erfolgt der Eingriff an der Mitralklappe sogar minimal-invasiv, also ohne Öffnung des Brustkorbes. In diesem Fall wird über einen Herzkatheter ein Clip an der Mitralklappe angebracht. Dieses Mitralsegelclipping bietet sich auch für Patienten an, die ein besonders hohes Operationsrisiko haben – beispielsweise durch einen geschwächten Allgemeinzustand oder begleitende Erkrankungen.

Prognose: Operation erhöht Lebenserwartung sehr deutlich

Die Prognose nach einer Mitralklappeninsuffizienz ist vor allem durch die Schwere der Herzklappenschwäche und begleitende Erkrankungen sowie das Alter der Patienten gekennzeichnet. Bei einer leichten Mitralklappeninsuffizienz, die medikamentös behandelt wird, ist die Lebenserwartung normal.

Vorsorge und Kontrolluntersuchungen

Insbesondere bei Kindern mit einer Mitralklappeninsuffizienz als angeborenem Herzfehler ist eine engmaschige ärztliche Überwachung notwendig. Das gilt vor allem, wenn eine künstliche Herzklappe eingesetzt wurde. Aber auch leichte Formen der Mitralklappeninsuffizienz erfordern regelmäßige Kontrolluntersuchungen – nur so kann einer Überlastung des Herzens und den daraus resultierenden Folgen vorgebeugt werden.

Autor: Dr. med. Thomas Breymann (tb)

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