Neue Erkenntnisse über Wirkung von Schmerzen im Gehirn

Ob subjektiv empfundene Stärke von Schmerzen, Wirkung von Schmerzen auf die Emotionen oder Placebo-Effekte: Wissenschaftler haben in jüngster Zeit einige neue Erkenntnisse über die Wirkung von Schmerzen im Gehirn gesammelt.

Schmerzstärke im Gehirn messen

Mediziner der Universität von Oxford haben eine Gehirnregion identifiziert, deren Aktivität sich mit der Beschreibung subjektiv empfundener Schmerzen deckt. Dabei handelt es sich um die sogenannte Inselrinde, die dorsale posteriore Insula. Die Wissenschaftler hatten 17 Probanden mit Capsaicin (bekannt aus Hitze-Pflastern) brennende Schmerzen am rechten Bein zugefügt. Mit Wärmflaschen und Kühlpads konnten sie den Schmerzreiz verstärken oder mildern. Dabei deckten sich die Schmerzbeschreibungen der Teilnehmer mit der Hirnaktivität in der Inselrinde. Die Forscher sehen in ihren Ergebnissen einen Ansatz, um beispielsweise Schmerzen bei bewusstlosen Patienten feststellen und dann behandeln zu können.

Zusammenhang von Schmerz und Psyche

An der Technischen Hochschule München (TUM) untersuchten Forscher, wie Schmerzen und Psyche sich gegenseitig beeinflussen. Dabei konnten sie zeigen, dass Schmerzen schon nach kurzer Zeit Hirnregionen aktivieren, die für die Befindlichkeit mitverantwortlich zeichnen. In einem anderen Experiment machten die Wissenschaftler den Placebo-Effekt im Hirn sichtbar.

Schmerzen aktivieren auch Hirnbereiche für Emotionen

schmerz-gehirn-empfindenDie Wahrnehmung von Schmerzen ist ein komplexer Prozess, den die Wissenschaft bislang noch nicht vollständig entschlüsselt hat. Die Münchner Forscher konnten nun anhand von Gehirnaufnahmen zeigen, dass sich die Wahrnehmung von Schmerzen schon nach wenigen Minuten verändert – und zwar sowohl subjektiv wie auch objektiv.

Die Münchner untersuchten nach eigenen Angaben erstmals, wie sich die Schmerzwahrnehmung in einem Zeitraum über mehrere Minuten entwickelt. Frühere Untersuchungen beziehen sich demnach nur auf Sekunden-Zeiträume.

Das Ergebnis der Münchner Studie in einfachen Worten: Je länger ein Schmerzreiz anhält, umso subjektiver wird die Wahrnehmung des Schmerzes. Die Probanden hätten Änderungen der Schmerzstärke beschrieben, obwohl der Schmerzreiz (Hitzereize auf die Hand) unverändert blieb. Die unterschiedliche Wahrnehmung steht den Münchner Wissenschaftlern zufolge in einem direkten Zusammenhang mit einer sich verändernden Hirnaktivität. Zunächst seien im EEG Hirnregionen aktiv, die Nervenimpulse verarbeiten. Nach wenigen Minuten anhaltenden Schmerzes habe sich aber auch eine verstärkte Aktivität von Hirnregionen gezeigt, die für die Verarbeitung von Gefühlen wesentlich seien.

Wenn schon minutenlange Schmerzen die Hirnaktivität verändern: Was passiert dann bei chronischen Schmerzen? Diese Frage können die Münchner Wissenschaftler nicht beantworten. Die Ergebnisse deuteten aber darauf hin, dass eine längere Schmerzdauer einen verstärkten Einfluss auf die Psyche begründe.

 



Placebo-Effekt im Hirn gezeigt

Den Zusammenhang von Schmerz und Psyche konnten die Münchner Wissenschaftler auch in umgekehrter Richtung darstellen. Demnach beeinflusst die Psyche schon von vornherein die subjektive Wahrnehmung von Schmerzen. In ihrem Experiment setzten die Forscher zwei Gruppen von Probanden dem gleichen Schmerzreiz auf den Handrücken aus. Die eine Gruppe ließen die Forscher in dem Glauben, die Hand sei mit einer schmerzlindernden Creme behandelt. In Wirklichtkeit handelte es sich aber um eine wirkstofflose Creme, ein Placebo. Tatsächlich bewerteten die Probanden der Placebo-Gruppe den identischen Schmerzimpuls weniger schmerzhaft als die Vergleichsgruppe. Und: Die Nervenzellen in den Gehirnen der Placebo-Gruppe zeigten ein deutlich anderes Muster als die der Vergleichsgruppe.

Die Wissenschaftler folgern: Die Erwartung an die Wirkung eines Schmerzmittels beeinflusst die Schmerzwahrnehmung deutlich.

 

Redaktion: ck / Quellen: Zusammenhang von Schmerz und Psyche: Prefrontal Gamma Oscillations Encode Tonic Pain in Humans (veröffentlicht im Oxford-Journal); Subjektive Schmerzwahrnehmung: The dorsal posterior insula subserves a fundamental role in human pain (veröffentlicht auf nature.com)

 


 

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