Jeder Vierte nimmt mindestens 3 Medikamente gleichzeitig – Medikationsplan senkt Risiko

Medikamente sind in den meisten Fällen ein Segen – nicht nur für chronisch kranke Menschen. Richtig ist aber auch: Vermeidbare Medikationsfehler – von Ärzten und Patienten – verursachen durch Neben- und Wechselwirkungen jährlich mehrere hunderttausend Krankenhauseinweisungen und mehr Todesfälle als der Straßenverkehr (2014: 3400 Verkehrstote). Darauf hat die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Apothekerverbände (ABDA) anlässlich des Apothekertages 2015 hingewiesen.

Aktuell nehme fast jeder vierte Deutsche (23 Prozent) dauerhaft drei oder mehr Medikamente ein. Mit steigendem Alter wächst der Anteil der Mehrfachmedikation (Polymedikation) demnach auf fast 50 Prozent bei den über 70jährigen. Die Angaben beruhen auf einer Online-Umfrage, für die das Forsa-Institut 13.000 Deutsche im Auftrag der ABDA befragt hat. Nach Schätzungen des Bundesinstitutes für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gehen sogar 10 Prozent der 20 Millionen Notaufnahmen in deutschen Kliniken auf das Konto von Arzneimittelnebenwirkungen.

Medikationsplan soll Risiken vermindern

medikamente-im-blickDie schweren gesundheitlichen Risiken durch die Mehrfach-Medikation könnten durch eine konsequente Erfassung aller Arzneien in einem Medikationsplan deutlich gesenkt werden, sagte ABDA-Präsident Friedemann Schmidt auf dem Apothekertag. Daher begrüßte er, dass das E-Health-Gesetz einen Medikationsausweis vorsehe. Gleichzeitig kritisierte Schmidt aber, dass der Gesetzgeber im aktuellen Entwurf des E-Health-Gesetzes die Apotheken nicht ausreichend berücksichtige. Neun von zehn Mediaktionslisten bei Ärzten stimmten nicht mit der tatsächlichen Medikation der Patienten überein, so Schmidt weiter.

Das liege unter anderem daran, dass Patienten sich von mehreren Ärzten rezeptpflichtige Medikamente verordnen ließen. Die aktuelle Umfrage habe ergeben, dass über die Hälfte aller Patienten mit Mehrfach-Medikation (54 Prozent) mehr als einen Arzt besuchten. Außerdem nähmen viele Patienten (28 Prozent) neben den verschreibungspflichtigen Medikamenten zusätzlich frei erhältliche Arzneien ein. Nach Ansicht der ABDA haben die Apotheken einen besseren Überblick über die Medikation der Patienten, da 88 Prozent aller Patienten ihre Medikamente laut Umfrage aus einer Stammapotheke beziehen. Dieses Potenzial dürfe im Gesetzgebungsverfahren für den Medikamentenausweis nicht ungenutzt bleiben, so Schmidt.

Die Gesundheitsgefährdung durch Medikamentencocktails ist in den vergangenen Jahren häufig untersucht worden. Eine gesetzliche Krankenversicherung kam schon in 2011 zu dem Ergebnis, dass 5 Millionen Deutsche fünf oder mehr Medikamente dauerhaft einnehmen. Mehr als 600.000 schlucken sogar zehn und mehr unterschiedliche Wirkstoffe. Die Neben- und Wechselwirkungen solcher „Medikamentencocktails“ sind selbst für Experten kaum noch vorherzusagen oder zu beherrschen. Die geplante gesetzliche Medikationsliste soll dazu beitragen, Mehrfachverschreibungen zu vermindern und insgesamt die Zahl der verordneten Wirkstoffe auf das notwendige und verträgliche Maß zu begrenzen. So könne die Zahl der Todesfälle durch Medikationsfehler deutlich verringert werden.

Medikamentenausweis und Verlaufskontrolle mit dem Gesundheitskonto

Gerinnungskurve

Medikamenteneinnahme und Blutgerinnung im Überblick

Mit dem Gesundheitskonto von HealthSafe24 haben Nutzer schon jetzt die Möglichkeit, einen vollständigen Medikationsplan anzulegen. Dieser Medikationsplan bietet Nutzern wie Ärzten stets einen Überblick über die aktuelle Medikation. Außerdem lässt sich die Wirkung der Wirkstoffe auf relevante Indikatoren wie beispielsweise die Blutgerinnung grafisch darstellen.

Weitere Informationen zum Thema bei HealthSafe24:

 

Vollständige Dokumentation im Notfallformular

Im Gesundheitskonto werden alle Angaben zu Medikamenten auch im Notfallformular gespeichert. Das Notfallformular können Sie ausdrucken und bei sich tragen. Oder Sie schicken es per Mail an Ihren Arzt oder Ihre Klinik. Wenn Sie einer Vertrauensperson Zugang zu Ihrem Gesundheitskonto einräumen, können diese Personen schnell reagieren – falls Sie selbst einmal dazu nicht in der Lage sein sollten.

Weitere Informationen zum Notfallformular

Nebenwirkungen als Patient melden – das schwarze Dreieck

Die Nebenwirkungen von Medikamenten werden in Deutschland nur zu einem sehr kleinen Teil auf freiwilliger Basis erfasst. Ärzte und Kliniken melden Nebenwirkungen beispielsweise mitunter an die zentrale Sammelstelle, das Paul-Ehrlich-Institut beim BfArM. Seit 2013 können auch Patienten Nebenwirkungen melden. Das geht über den Arzt oder Apotheker sowie über die Webseite des Paul-Ehrlich-Instituts.

Die Meldemöglichkeit von Patienten ist allerdings beschränkt auf Medikamente, die in der Packungsbeilage mit einem schwarzen Dreieck gekennzeichnet sind. Diese Medikamente stehen EU-weit unter besonderer Beobachtung. Das gilt etwa für Medikamente, die noch nicht lange auf dem Markt sind. Auch eine noch ausstehende Langzeitbewertung kann die Kennzeichnung mit sich bringen. Das schwarze Dreieck auf der Packungsbeilage bedeutet aber nicht, dass ein Medikament unsicher oder unwirksam ist.

Redaktion: ck

 


 

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