Frauen unterschätzen Risiko für Herzerkrankungen

Herzinfarkt und Schlaganfall sind die häufigsten Todesursachen bei Frauen – und nicht wie vielfach angenommen Krebs. Jede zweite Frau erliegt einer Erkrankung von Herz oder Kreislauf. Die Gründe dafür sind vielfältig. Herzerkrankungen von Frauen sind oft schwieriger zu therapieren als bei Männern. Dabei spielen erbliche und hormonelle Einflüsse eine Rolle. Außerdem ist das Bewusstsein für die Gesundheitsvorsorge in Bezug auf Herzerkrankungen bei Frauen weniger stark ausgeprägt als für die Gesundheitsvorsorge insgesamt.

Die Deutsche Gesellschaft für geschlechtsspezifische Medizin hat zur besseren Vorsorge ein Aufklärungsprogramm entwickelt. Mit der Aktion „Hör auf Dein Herz“ sollen junge Frauen motiviert werden, gezielt Herzvorsorge zu betreiben. Denn gerade bei jungen Frauen sei das Bewusstsein für das Risiko von Herzerkrankungen besonders wenig entwickelt, zitiert die Apotheken-Umschau die Kardiologin Verena Stangl vom Zentrum für Herz-, Kreislauf- und Gefäßmedizin der Berliner Charité. Stangl verweist darauf, dass beispielsweise Rauchen und Diabetes dem weiblichen Herzen mehr schaden als bei Männern.

Frauenherzen sind kleiner und weniger elastisch

Grundsätzlich unterscheiden sich die Herzen von Männern und Frauen in der Anatomie nur unwesentlich. Wegen der geringeren Körpergröße sind Frauenherzen im Durchschnitt jedoch kleiner als Männerherzen, so Professorin Vera Regitz-Zagrosek. Die Direktorin des Instituts für Geschlechterforschung in der Medizin (GiM) an der Charité Berlin kann aber nicht erklären, warum Frauenherzen weniger elastisch sind als Männerherzen. Die Mediziner vermuten, dass es feine Unterschiede im Aufbau der Muskelfasern gibt. Belegt ist das aber noch nicht. Die geringere Dehnbarkeit des weiblichen Herzens habe aber erwiesenermaßen einen Einfluss auf Bluthochdruck oder bestimmte Formen der Herzinsuffizienz, so Regitz-Zagrosek.

Häufiger stumme Infarkte

Chronische Krankheiten Koronare HerzkrankheitAkute Herzprobleme äußern sich auch bei Frauen vor allem durch Schmerzen in der Brust. Allerdings seien stumme Infarkte ohne Beschwerden bei Frauen häufiger als bei Männern, berichtet Dr. Stangl. Kardiologen müssten bei Frauen genauer hinsehen, da die Symptome mitunter nicht so eindeutig seien. Auch Beschwerden wie Bauch- und Rückenschmerzen oder Übelkeit und Erbrechen könnten bei Frauen auf akute Herzprobleme hindeuten.

Zudem gibt es Unterschiede bei Männern und Frauen darin, in welchem Alter ein Herzinfarkt auftritt. Bis zum 70. Lebensjahr haben Frauen ein geringeres Risiko, einen Herzinfarkt zu erleiden. Das ist unter anderem auf die weiblichen Hormone zurückzuführen. Vor allem Östrogene schützen vor Verkalkungen (Arteriosklerose) und Ablagerungen in den Blutgefäßen. Arteriosklerose ist aber einer der größten Risikofaktoren für Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt und Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

 

 

Auch in der bildgebenden Diagnose von Durchblutungsstörungen des weiblichen Herzens stehen Kardiologen vor einer besonderen Herausforderung. Die bei Frauen verbreiteten Formen von Durchblutungsstörungen am Herzen, lassen sich – anders als bei Männern – bei einer gewöhnlichen Herzkatheteruntersuchung mitunter nicht erkennen. Auch die operativen Techniken wie das Setzen eines Stents oder die Weitung der Herzkranzgefäße seien bei Frauen seltener geeignet.

Für Frauen mit Durchblutungsstörungen in kleinen Blutgefäßen ist eine medikamentöse Therapie häufig die bessere Wahl. Entsprechend den Leitlinien werden dafür durchblutungsverbessernde Medikamente wie Kalziumantagonisten oder Nitrate empfohlen. Allerdings stelle auch eine Behandlung mit Medikamenten eine Herausforderung dar. Denn Herzmedikamente werden – wie alle anderen Medikamente auch – vor allem an Männern getestet. Daher fehle es beispielsweise an ausreichender Erfahrung, um Dosierungen möglichst effektiv zu bestimmen und unnötige Nebenwirkungen zu vermeiden.

Redaktion: ck


 

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